Fütterung von Ouessantschafen

Die Fütterung ist ein heiß diskutiertes Thema unter Schafhaltern. Gerade bei Ouessantschafen, die als Robustrasse gelten, gehen die Meinungen über das benötigte Futter deutlich auseinander. Viele Faktoren (Flächenangebot, Futtermittel, Klima etc.) spielen eine Rolle, wenn es um ein ausgewogenes Fütterungskonzept geht. *1 Dabei ist auch ausschlaggebend, ob die Tiere ihre aktuelle Kondition lediglich halten sollen oder ob der Aufbau von Gewicht auf Grund von Krankheit oder Trächtigkeit etc. angestrebt wird. Für eine optimale Fütterung muss daher neben dem Grundfutter auch das Leistungs- und Mineralfutter berücksichtigt werden.

Grundfutter

Schafe ernähren sich hauptsächlich von Gras. Als Alternative wird im Winter vor allem Heu und Heulage zugefüttert. Diese Futtermittel sollten immer und in sehr guter Qualität zur Verfügung stehen.

Um gesund zu bleiben, benötigen Schafe unter anderem Mineralstoffe. Diese beziehen die Tiere aus den vorhandenen Futtermitteln (Heu, Heulage etc.) bzw. Futterpflanzen (Gräser) zur Verfügung gestellt werden. Die Gehalte an Mengen- und Spurenelementen im Aufwuchs variieren jedoch mehr oder weniger stark. Ursachen können beispielsweise Veränderungen der Inhaltsstoffe in den Futterpflanzen sein oder ein Nährstoffdefizit in den Böden. *2

Wenn man bedenkt, dass in großen Teilen von Deutschlang bereits ein Nährstoffmangel im Boden herrscht, ist es naheliegend, dass eine ausreichende Aufnahme von Spurenelementen und Mineralien nicht allein auf Basis des Grundfutters gewährleistet werden kann. Was der Boden nicht ausreichend hergibt und was die Pflanze selbst nicht aufnimmt, das kann das Gras oder das Heu dem Schaf nicht liefern. *3 Durch regelmäßige Bodenproben und eine gezielte Düngung kann dem Nährstoffmangel der Futterpflanze entgegengewirkt werden. Diese Möglichkeit besteht jedoch nur, wenn man als Schafhalter sein eigenes Futter anbauen kann. Eine gezielte Beprobung einzelner Futtermittel wäre eine weitere Möglichkeit, einen Nährstoffmangel frühzeitig zu erkennen und ihm entgegenzuwirken. Dies ist jedoch aufwendig und teuer.

Als Argument, dass beim Ouessantschaf eine Gabe von Grundfutter ausreichend ist, wird die Tatsache genannt, dass Ouessantschafe robust und leichtfuttrig sind. Es wird dabei auf die Herkunft der Rasse verwiesen. Immerhin gilt die Insel Île d’Ouessant als besonders karg. Dagegen spricht aus meiner Sicht, dass unsere heutigen Ouessantschafe niemals einen Fuß auf die Insel gesetzt haben. Auch ihre Vorfahren sind schon seit vielen Jahren domestiziert und leben in Frankreich, Belgien, den Niederlanden und Deutschland unter anderen Haltungsbedingungen.

Vielfalt in der Fütterung

Zusätzlich sollte man bedenken, dass die Schafe auf der Insel ein weitgehend freies Leben geführt haben. Das heißt, sie konnten sich ohne Einschränkungen auf dieser bewegen und sich ihr Futter aus dem vorhandenen Angebot aussuchen. Dabei standen vermutlich neben verschiedenen Grassorten auch Moos, Flechten und Blätter auf ihrem Speisezettel. Darüber hinaus bestand die Möglichkeit, bei Bedarf die Rinde von Sträuchern und Ästen zu nagen. Auch Kräuter und Blumen dürften damals für Abwechslung auf dem Speisezettel geführt haben. Die Vermutung liegt nahe, dass durch die vorhandene Meeresgischt zusätzlich diverse Mineralien (Jod etc.) angespült und von den Böden auf der Île d’Ouessant aufgenommen wurden.

Das Futterangebot auf der Herkunftsinsel kann also als abwechslungsreich bezeichnet werden. Mit dieser Vielzahl an Möglichkeiten konnten die Schafe ihren Bedarf an Futter decken.

Betrachtet man die heute überwiegend praktizierte Haltung, so steht den Schafen ein fest eingezäunter Bereich zur Verfügung. Diesen verlassen sie in der Regel nicht (Standweide). Auch wenn mehrere Weideflächen genutzt und die Schafe regelmäßig umgestellt werden, so ist das Futterangebot in der Regel auf allen Flächen nahezu identisch. Die meisten Weiden bestehen zum überwiegenden Teil aus wenigen Grassorten. Dieses dient als Hauptfuttermittel. Verschiedene Gräser, Moos, Flechten, Kräuter oder Blumen sieht man so gut wie nie. Vorhandene (Obst-) Bäume werden durch einen Verbissschutz eingezäunt. Gebüsche oder Hecken sind ebenfalls selten auf unseren Flächen zu finden und stehen damit nicht als Nahrungsquelle zur Verfügung.

Die damalige Haltung auf der Île d’Ouessant kann daher aus meiner Sicht in keinem Punkt mit der Haltung wie wir sie in Deutschland kennen verglichen werden.

Mineralfutter

Wie eingangs beschrieben, benötigen Schafe Mineralstoffe, um gesund zu bleiben. Dies sind lebensnotwendige, anorganische Substanzen, die der tierische Organismus nicht selbst herstellen kann. Eine Zufuhr dieser wichtigen Stoffe ist daher ausschließlich über das zur Verfügung gestellte Futterangebot möglich. Mineralstoffe erfüllen als Baustoffe für Knochen, Zähne und Gewebe wichtige Aufgaben im Körper. Darüber hinaus sind sie wichtige Bestandteile der tierischen Produkte wie Milch, Fleisch und Wolle. Viele Mineralstoffe stehen in Wechselbeziehungen mit den Vitaminen und sind außerdem Bestandteil von vielen Enzymen und Hormonen, also von Stoffen, die im Körper wichtige Steuerungsfunktionen wahrnehmen.

Mineralstoffe werden in zwei Gruppen unterteilt. Dabei werden sie nach der Menge ihres Vorkommens im Tierkörper einer Gruppe zugeordnet.

Mengenelemente, sind Mineralstoffe, die mit mehr als 50mg pro kg Körpergewicht vorkommen. Dazu zählen Kalzium, Kalium, Magnesium, Stickstoff, Natrium und Phosphor.

Spurenelemente dagegen sind Mineralstoffe, die mit weniger als 50mg pro kg Körpergewicht vorkommen. Kobalt, Kupfer, Eisen, Jod, Mangan, Molybdän, Selen und Zink gehören in diese Mineralstoffgruppe.

Ouessantschafe sind klein, leicht und robust. Dennoch müssen auch sie ausreichend mit Mineralstoffen versorgt werden. Ihr Bedarf kann über Lecksteine, Ergänzungsfutter oder durch den Schafhalter (oral oder subkutan) gedeckt werden.

Ein Mangel oder eine Überversorgung von Mineralien können zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen beim Schaf führen. Wer sich also diesbezüglich absichern möchte, der kann beim Tierarzt eine Blutuntersuchung in Auftrag geben. Dazu braucht nicht jedes einzelne Tier untersucht zu werden, eine mehrere Tiere des Bestandes umfassende Stichprobe kann bereits wichtige Hinweise geben. Die Untersuchung lohnt sich, weil sie zum gezielteren Einsatz von Ressourcen beiträgt. *4

Es muss jedoch zwischen einem primären Mangel und einem sekundären Mangel unterschieden werden. Bei einem primären Mangel ist das benötigte Mineral im Futter nicht ausreichend vorhanden, wohingegen bei einem sekundären Mangel die Schafe über ihren Bedarf hinaus mit Spurenelementen vorsorgt sind. Die Wechselbeziehungen zwischen den Stoffen schränken jedoch die Aufnahme ein, so dass es zu einer Unterversorgung kommt.

Bitte beachten: Ein Salzleckstein, wie er vielen Schafen zur Verfügung gestellt wird, enthält außer Kochsalz kaum andere Mineralstoffe oder Spurenelemente. Er ist daher als einzige Quelle für die Aufnahme von Nährstoffen nicht geeignet! *5 Auch der Einsatz des immer gleichen Mineralsteins kann auf Dauer nicht gewährleisten, dass die Schafe ausreichend mit allen benötigten Nährstoffen versorgt sind.

Leistungsfutter

Da die artgemäße Ernährung Einfluss auf die Gesundheit, Leistungsfähigkeit, Fruchtbarkeit und letztlich auch auf die Wirtschaftlichkeit hat, ist eine optimal eingestellte Futterration aus Grundfutter, Mineralfutter und Leistungsfutter wichtig.

Mit Leistungsfutter ist dabei nicht zwangsläufig das zusätzliche Füttern von Gerste, Hafer etc. gemeint. Auch Zuckerrüben, Zuckerrübenschnitzel, Gras- oder Maissilage sowie eine Vielzahl weiterer Futtermittel fallen unter diese Kategorie.

Auch wenn Ouessantschafe in der Regel nur ein Lamm zur Welt bringen, so benötigen tragende und säugende Mutterschafen Futtermittel, welche energie-, protein- und mineralstoffreich sind. Viele Halter der Rasse sehen inzwischen ein, dass trächtige Schafe leistungsgerecht gefüttert werden müssen. Aus diesem Grund wird meist zum Ende der Trächtigkeit (letztes Drittel) angefangen, den Mutterschafen Kraftfutter zu geben. In dieser Zeit steigt der Bedarf der Mutterschafe bei einer Einzelträchtigkeit um 20-40 Prozent an. Gleichzeitig wächst das Lamm im Vergleich zu den vorherigen Trächtigkeitsmonaten deutlich stärker. Durch den benötigten Platz des Lamms im Bauchraum bleibt teilweise keinen Platz, um große Mengen Futter aufzunehmen. Dies wird ggf. durch körperliche Voraussetzungen des Muttertieres noch begünstigt. Kurze Schafe haben ein geringeres Körpervolumen und damit auch weniger Platz, um das wachsende Lamm und eine ausreichende Menge Futter aufzunehmen. Die Nährstoffkonzentration in der Futterration muss daher zwingend dem erhöhten Bedarf angepasst werden.

Gerade während der Trächtigkeit haben Schafe einen erhöhten Bedarf an Vitaminen und Spurenelementen. Diese Tatsache muss bei der Auswahl geeigneter Futtermittel berücksichtig werden. Eine Unterversorgung während dieser Zeit kann sowohl bei dem Mutterschaf als auch bei dem Lamm zu schwerwiegenden Mangelerscheinungen und sogar dem Tod führen.

Es muss an dieser Stelle darauf hingewiesen werden, dass Fütterungsfehler, die im ersten und zweiten Drittel der Trächtigkeit begangen werden, im letzten Drittel nicht wieder ausgeglichen werden können. *6

Das letzte Drittel der Trächtigkeit fällt bei Ouessantschafen in der Regel ungefähr in die Monate Februar und März. Zu dieser Zeit wächst wenig bis kein Gras mehr und die Schafe sind darauf angewiesen, ausreichend zugefüttert zu werden. Durch die verringerte Aufnahme an Futter durch den wachsenden Fötus darf trotz zusätzlicher Fütterung nicht mit einer Gewichtssteigerung gerechnet werden. Auch nach der Geburt nehmen die Mutterschafe nur langsam zu. Alle verfügbaren Energiereserven werden in die Produktion der Milch gesteckt.

Es ist daher sinnvoll, frühzeitig mit dem leistungsgerechten Füttern zu beginnen. In den ersten zwei bis vier Wochen der Gewöhnung sollte die Menge so gering gewählt werden, dass nicht mit eine Tageszunahme gerechnet werden kann.

Auf Grund der Tatsache, dass Schafe als Wiederkäuer ein recht empfindliches Verdauungssystem haben, muss ein Futterwechsel langsam, innerhalb von zwei bis vier Wochen, umgesetzt werden. Die Mikroorganismen im Pansen benötigen diese Zeit, um sich auf das neue Futter einzustellen und dieses optimal zu verdauen und zu verwerten. *7

Berechnung Futterbedarf

Eine individuelle Kraftfutterzuteilung ist nur in kleinen Herden praktikabel. In größeren Beständen muss die Betreuung und Fütterung herdenbezogen erfolgen. Eine bedarfsgerechte Versorgung der Tiere ist nur dann möglich, wenn sich alle Tiere in der Herde im gleichen Reproduktionsstatus befinden. Somit gewinnt die Forderung nach einer zeitlich dicht gedrängten Decksaison eine besondere Bedeutung für die Fütterung.

Die optimale Futterzusammenstellung muss jeder Halter individuell berechnen. Dabei helfen zahlreiche Rationsbeispiele aus dem Internet oder weiterführende Literatur. Dabei sollte man immer bedenken, dass die Fütterung die Leistungsfähigkeit und Gesundheit unserer Schafe beeinflusst. Auch wenn das Ouessantschaf kein Fleisch- oder Milchlieferant ist, so benötigt es dennoch angemessenes Futter, um ganzjährig eine gute Kondition zu halten.

*1 Schafzucht 1.2022, Dem Leistungsbedarf angepasst, S.45 *2 Schafzucht 23.2021 – Schafe und Ziegen gesund und leistungsfähig halten, S.13 *3 Schafzucht 3.2019 – Spurenelemente über Boli: Kosten oder Nutzen? , S.31 *4 Schafzucht 3.2019 – Spurenelemente über Boli: Kosten oder Nutzen? , S.31/32 *5 Schafzucht 21.2015 – Spurenelemente II , S.32 *6 Tierproduktion – Fütterung und Haltung der Mutterschafe – Gerhard Bellof, Susanne Granz, S.596 *7 Landwirtschaftskammer Niederösterreich – Leistungsgerecht füttern mit Rationsbeispielen
Futter Ouessantschaf