Geburt beim Ouessantschaf

Wenn ein Bock dauerhaft mit in der Herde läuft, deckt er die brünstigen Muttertiere in der Regel sehr zuverlässig. Wer möchte, kann zur genauen Bestimmung auch ein Deckgeschirr mit wechselnden Farbblöcken einsetzen. Wenn der Bock auf die Schafe aufreitet, hinterlässt er am Hinterteil der Schafe einen Farbfleck. Den so erkannten Decktermin sollte der Halter im Kalender notieren. Durch Wechsel der Farbe, in der Regel alle zwei Wochen, erfährt man, ob eine weitere Belegung erfolgt ist. Aus dem Decktermin kann man im Anschluss eine mögliche Geburt beim Ouessantschaf errechnen.

Während der ungefähr fünf Monate dauernden Trächtigkeit hat der Züchter genügend Zeit. Er muss sich über den Ablauf der Geburt informieren und diverser Hilfsmittel besorgen. Mit Hilfe von Büchern, Internetforen, dem Austausch mit anderen Schafhaltern und Lehrgängen kann man alle wichtigen Informationen zur Geburt beim Ouessantschaf recherchieren.

Benötigte Utensilien

Hat man einen Stall oder einen Unterstand zur Verfügung, kann man eine saubere, frisch eingestreute Ablammbox vorbreiten. Diese sollte mit Raufe, Trog und Tränke ausgestattet sein. In den Ablammboxen können die Mutterschafe in Ruhe ihre Lämmer zur Welt bringen. Bisher haben unsere Mutterschafe stets draußen auf der Weide im Herdenverband gelammt. Auch eine separate Versorgung nach der Geburt war bisher nicht notwendig. Verfügt man über einen Anschluss an das Stromnetz und werden sehr tiefe Temperaturen erwartet, kann eine Wärmelampe für die Lämmer sinnvoll sein. Diese muss jedoch so hoch hängen, dass erstens die Aue sich daran nicht die Wolle verschmort und zweitens sie die Lampe nicht anknabbern und ggf. herunter reißen kann.

Es ist ratsam einen Vorrat an Biestmilch und Schafmilch vorzuhalten. Hat man beides nicht von einer früheren Lammung eingefroren, kann man auch auf Kuhbiestmilch oder Biestmilchersatz zurückgreifen. Statt einer Lämmerflasche hilft für die ersten Tage auch eine Babyflasche mit langem, geradem Nuckel. Auch ein handelsüblicher Flaschenwärmer kann im Notfall gute Dienste leisten. Wer nachts seine tragenden Mutterschafe kontrollieren möchte, sollte sich schon frühzeitig um eine gute Taschenlampe und die passenden Batterien kümmern. Man kann zur ganzjährigen Benutzung auch eine Autobatterie mit 12V Arbeitslampe installieren. Damit bei eventuell auftretenden Komplikationen schnell eingegriffen werden kann, sollte man sich frühzeitig nach einem Tierarzt umsehen. Es ist sinnvoll darauf zu achten, dass dieser Erfahrung mit Schafen hat. Im Notfall sollte ein Einsatz am Wochenende oder nachts immer möglich sein. Diese Telefonnummer sollte immer griffbereit sein um schnellstmöglich handeln zu können.

Geburtsanzeichen

Es gibt einige untrüglich Anzeichen, die eine bevorstehende Geburt ankündigen. In der letzten Phase der Tragzeit, kann man bei den Auen zunächst ein vermehrtes Liegen beobachten. Auch beginnt das Euter zu wachsen und die Scham schwillt an, was die Geburtswege weit und weich werden lässt. Bei einigen Schafrassen umfasst dieses Ödem auch die Schwanzwurzel. Anhand des Milcheinschusses den Geburtstermin zu bestimmen ist schwierig. Manche Auen haben bereits Tage vorher ein prall gefülltes Euter, bei anderen schießt die Milch erst wenige Stunden vor bis sogar kurz nach der Geburt ein.

Anzeichen der bevorstehenden Geburt sind vor allem Unruhe und Absonderung, scharren, Rötung der Scham und Ausfluss von durchsichtigem Schleim. Bei diesen Anzeichen sollte das Schaf, falls vorgesehen, in die Ablammbucht gebracht werden. Das Mutterschaf muss weiter beobachtet und regelmäßig in kurzen Abständen kontrolliert werden. Wenn ich die Zeichen einer beginnenden Geburt feststelle, bleibe ich beim Muttertier. So kann ich sicher sein, dass alles glimpflich abläuft. Die Wehen sind von außen nicht sichtbar. Wenn die Bauchpresse einsetzt, kann man dies deutlich an der Haltung der Aue erkennen. Meist streckt sie dann halb in Bauchlage, halb in Seitenlage das oben liegende Hinterbein von Bauch weg, oft strecken sie auch den Kopf bei geradem Hals nach hinten-oben. Als Zuschauer und Helfer sollte man sich ruhig und zurückhalten. Die allermeisten Geburten gehen ohne menschliche Hilfe von statten und ein zu frühes- oder gar falsche Eingreifen schadet mehr als es nützt.

Der ideale Ablauf der Geburt ist, dass zunächst die Fruchtblase zum weiten des Geburtsweges durch die Scheide nach außen gepresst wird. Eine Weile danach sollten die Klauen der Vorderbeine erscheinen. Die Lage sollte so sein, dass die Sohlen nach unten zeigen. Nach dem die Klauen beider Vorderbeine nacheinander sichtbar geworden sind, erscheint oben auf den Vorderbeinen aufgelegt zuerst die Nase dann er Kopf des Lamms. Ist der Kopf komplett draußen rutscht der Rest des Lamms bei den folgenden Wehen meist zügig heraus, die Aue steht auf, und beginnt das Lamm zu belecken. Das Herauspressen des Kopf- und Schulterbereiches ist für das gebärende Schaf die größte Anstrengung.

Fehllagen bei der Geburt

Leider kommen aber nicht alle Lämmer in dieser Ideallage auf die Welt. Eine in der Regel unkomplizierte Abweichung ist die normale Hinterendlage. Hierbei erscheinen nach der Fruchtblase beide Hinterbeine, die Sohlen der Klauen zeigen nach oben. Kommt ein Lamm in dieser Richtung auf die Welt, so hat die Geburt zwei Bereiche der Frucht, welche die Aue durch den jeweils noch engen Geburtskanal pressen muss: zuerst den Beckenbereich des Lamms, dann den noch breiteren Schulterbereich. Wichtig ist, dass die Geburt, ab erscheinen der hinteren Klauen, nicht zu lange dauert. In dieser Lage kann die Nabelschnur bei Eintritt in den Geburtskanal früher aus der Plazenta reißt, als bei einer Vorderendlage. Es besteht die Gefahr, dass das Lamm, wenn es nicht zeitnah atmen kann, erstickt.

Wenn also die Hinterbeine schon aus dem Mutterschaf heraushängen, sich aber trotz Pressen kein nennenswerter Fortschritt in der Geburt abzeichnet, kann man die Geburt durch vorsichtiges, wechselseitiges Ziehen an den Hinterbeinen des Lamms, immer im Rhythmus mit den Wehen, unterstützen und beschleunigen. In ungünstigen Fällen, können noch andere, kompliziertere Fehllagen auftreten, wie zurück geklappte Beine oder auch eine Vorderendlage mit nach hinten gedrehtem Kopf. In diesen Fällen muss das Lamm zurück in den Uterus geschoben werden und die Lage dort manuell korrigiert werden. Ob man sich dies als Anfänger zutraut, ist sicherlich eine Frage, die jeder nur selbst beantworten kann. Im Zweifel lieber einen erfahrenen Schafhalter oder direkt den Tierarzt zu Rate ziehen.

Erstversorgung

Gerade bei jungen Muttern ist es sinnvoll zu beobachten, ob sie denn auch nach der Geburt dem Lamm das Gesicht sauberlecken und damit die Atemwege vom Schleim befreien. Manch eine junge Aue ist derart aufgeregt, dass sie dies schier vergisst. Wenn das Lamm nicht von der Fruchtblase befreit wird, kann es erstickt. Hier kann es notwendig sein, dass der Halter eingreift. Sind die Atemwege frei, sollte man schauen ob das Lamm atmet. Fehlt die regelmäßige Bewegung des Brustkorbes, sollte man das Lamm zunächst an den Hinterbeinen hochheben, so dass es Kopfüber hängt. Eventuell eingeatmetes Fruchtwasser kann nun herauslaufen. Beginnt das Lamm immer noch nicht mit selbstständiger Atmung, hilft oft ein Guss einer kleinen Menge kalten Wassers über den Nacken des Lamms. Ist das Lamm nun auf der Welt, kann man die Aue beim Abtrocknen mit Hilfe eins sauberen Frotteehandtuches unterstützen- gerade, wenn es um den Geburtstermin sehr kalt ist, kommt es dem Lamm zugute, wenn es schnellst möglichst trocken ist- das vorsichtige Rubbeln regt zusätzlich den Kreislauf an. Bei dieser Gelegenheit kann man auch direkt das Lamm auf ordnungsgemäßen Zustand überprüfen und den Nabel in eine Desinfektionslösung eintauchen, sowie falls notwendig kürzen.

Ein normales, gesundes Lamm wird spätestens 30 Minuten nach der Geburt versuchen auf zu stehen und sich auf die Suche nach dem Euter der Mutter zu machen. Dieses kann man als Halter auf beiden Seiten kurz anmelken, um sicher zu stellen das kein Pfropf die Milchkanäle verschließt. Ist das Lamm zu schwach aufzustehen, kann man es quasi auf der Hand liegend zum Euter heben, so dass es trinken kann, oder man melkt eine kleine Menge Biestmilch von der Mutter in einer Saugflasche und gibt diese Biestmilch ohne Verzögerung ( damit sie nicht kalt wird) dem Lamm.

Komplikationen bei der Fütterung

Nimmt das Lamm den Sauger nicht von sich aus, so öffnet man das Maul des Lamms, in dem man vorsichtig den sauberen(!) Finger seitlich in die Maulspalte hinein schiebt. Dann den Sauger von vorne ins Maul des Lamms stecken. Wenn man eine Kunststoffflasche hat, kann man durch leichten Druck einige Tropfen Milch ins Lämmermaul spritzen. In der Regel regt der Milchgeschmack das Saugen zusätzlich an. Ist kein Saugreflex vorhanden und trinkt das Lamm nicht, so kann man das Lamm über eine Schlundsonde zwangsernähren. Ist man unsicher in der Durchführung, sollte man auf jeden Fall einen Tierarzt zu Rate ziehen. Innerhalb von ca. 2 Stunden geht die Nachgeburt ab. Diese sollte man entfernen (wenn sie nicht vom Muttertier gefressen wird), da sie sonst einen idealen Nährboden für Krankheitskeime darstellt. Geht die Nachgeburt nicht ab, muss sie vom Tierarzt gelöst werden. Dies geht nahe bei der Geburt am besten, weil der Muttermund noch offen ist und der Arzt genug Platz hat zu arbeiten. Nachdem Aue (bestes Heu/Futter und sauberes Trinkwasser, Mineralschale) und Lamm (Biestmilch) nun optimal versorgt sind, sollte man den Tieren Ruhe gönnen und sich, wenn man es will, still dazu setzen und sie beobachten.